Kategorie: Begegnungen mit Menschen

Berlin und Gillenfeld – Die Welt ist klein…

Buslinie 566 von Daun zum Feriendorf- meine Lieblingsbuslinie- ist ab sofort meine Allerlieblingslinie:

Vor ein paar Tagen kommen Herbert und ich in der Pause der Busfahrer/innen an der Realschule in Gillenfeld mit einer der Fahrerinnen ins Gespräch.

Und was stellt sich raus:
Die Frau kennt sich aus in der Welt😉: Sie hat tatsächlich jahrelang in Berlin gelebt. Auf meine Frage „Wo denn da?“ kommt die Antwort: „Neukölln“.

Das facht natürlich meine Neugier weiter an, und ich bohre nach Genauerem, bzw..“Welche Straße?“ „In der Nähe vom Tempelhofer Feld, Kienitzer Straße“. Ich fass‘ es nicht: MEINE Straße!!!
Freue mich wie Bolle in der tiefsten Eifel eine Wahlheimat-Verbundene zu treffen. Und wir freuen uns beide, dass uns die Kombination von Land und Großstadt weiterhin gelingt: Sie hat noch Kinder in Berlin und pendelt (wie wir) des Öfteren zwischen den beiden Extremen.

Gut, dass sie auch zur Erholung ein Häuschen HIER im Feriendorf hat! Dieser weiteren, überraschenden Enthüllung folgt natürlich eine Einladung unsererseits zum Vorbeischauen- wo auch immer: im Feriendorf oder in Neukölln.

Man sieht sich! 😁

Begegnung mit Tom Stehrumchen

Ganz in der Nähe vom Klein Köriser See wandern wir entspannt auf den sandigen Waldwegen entlang einer Gartenkolonie.

Wir wandern seit Stunden fast ohne Menschenbegegnungen- und das an einem Samstag- welche Wohltat!

Also schweift der Blick ungestört durch den uns umgebenden Wald, (fassst) jedes Blümelein und all die Knospen und Knöspchen begrüßen wir und vom Duft der Maiglöckchen begleitet, die es hier so zahlreich gibt, schlendern wir dahin.

Die links des Wegs säumenden Datschen und Häuschen passen sich hervorragend in die Landschaft ein: nichts Protziges, sondern Individualität und Einmaligkeit der Gestaltung prägen das Bild.

Dann auffallend: Eine Präsentation ungewöhnlicher Holzarbeiten – das Gartentor zur betreffender Laube steht offen – wir werden freundlich herein gebeten.

Wir bewundern die schön gearbeiteten Schalen und Schälchen, die Vasen und überhaupt das gesamte ausgefallene Kunsthandwerk, das Tom uns zeigt.
Da wir nicht soviel tragen wollen, ersteht Herbert (für mich❤️) eine kleinere Obstschale aus Erlenholz – natürlich ‚gerahmt‘ durch die Rinde des Baums.

Das Mitbringsel

Tom, der Künstler, erzählt uns ein wenig von der Machart seiner Werke: alle sind aus dem Holz der umgebenden Bäume gedrechselt, die Arbeit ist fein und sorgfältig ausgeführt und man erkennt die Liebe zum Detail.

Es gibt auch jede Menge „Stehrumchen“: Kleine und kleinste Figürchen hauptsächlich der heimischen Fauna – Tom schenkt mir zum Schluss ein entzückendes kleines Vögelchen, welches schon am Abend seinen Platz in der Küche gefunden hat.

Ein Stehrumchen

Vielleicht hilft der (leider) sehr umtriebige Biber bei der Arbeitsbeschaffung-😉 Tom beschreibt uns noch den Weg (der Verwüstung) entlang des Sees, und ich habe noch nie so dicke Bäume gesehen, die durch den Biber gefällt wurden.

Eine sehr nette Begegnung- mit Tom, nicht mit dem Biber – die uns durch eines seiner „Stehrumchen“ stets in Erinnerung bleiben wird.

Unbedingte Besuchsempfehlung!

Ein Querulant

Herbert begleitet mich bis Köln: Dafür hat er mindestens ein Mittelgebirge in meinem Brett!

Der Zug hat natürlich Verspätung. Hungrig packen wir unsre Brotchen aus. Meine Reisetasche steht auf dem Platz der Vierersitzgruppe mir gegenüber/Gang.

Der Zug wird voller, ein nicht mehr ganz junger Mann – ein Schrank von einem Kerl – kommt den Gang lang auf mich/uns zu und schaut sich nach einem Sitzplatz um. Ich lächle ihn an und frage ihn gestisch, ob ich die Tasche für ihn wegräumen soll, damit er sich dahin setzen kann. Er winkt aber ab und setzt sich schräg gegenüber.

Als ich (Idiotin) ihn nochmal freundlich ankucke bricht es aus ihm heraus: Was ich doch für eine asoziale Person sei, es wäre verboten eine Tasche auf einen Sitz zu stellen, deswegen ginge es so bergab mit diesem Land…usw usw. Völlig perplex erinnere ich ihn daran, dass ich doch im Begriff war die Tasche für ihn zu räumen.

Nichts beruhigt ihn. Herbert mischt sich ein, es wird immer lauter und unangenehmer. Ein älterer Mann kommt zu dem Zeterer und bittet ihn Ruhe zu geben. Hilft auch nix. Er macht weiter, erhebt sich mehrmals drohend von seinem Sitz und ich habe Gedanken von Faustschägen und Messerattacken. Er hört nicht auf. Aggressiv beschimpft er uns weiter- irgendwann rutscht mir leider raus, er solle sich in die Psychiatrie verziehen.

Auch nicht fein, ich weiß.

Langsam haben die umsitzenden Mitreisenden genug von seinem Gebaren, und äußern das auch durch verstärkte Unruhe oder halblaut geäußerten Missmut. Schließlich geht er ein paar Plätze weiter – die Nächsten mit seiner kruden Sicht der Dinge beharken.
Aber oh Wunder, wir bekommen offene Solidaritätsbezeugungen: Ein junges,schwarzes Paar hält ebensowenig von dem Kerl, wie wir, und sagt uns das auch. Mehrmals. „Er hat zuviele Emotionen.“ meint sie noch traurig zu mir beim Rausgehen.

Hört, hört: sympathy for the devil!

Ich bin nicht so mitfühlend. Die Vorstellung auf einen körperlichen Angriff reagieren zu müssen ruft bei mir nur Feindbild hervor. Pardon. Aber auch andere Reisende, die diesen Streit mitanhören mussten, trösten uns mit aufmunternden Worten nach dem Motto:
„dem ist nicht mehr zu helfen.“ Wir fühlen, dass wir nicht allein sind in unsrer Wahrnehmung, in unsrer Haltung. Und alle machen einen Bogen um den Kerl.

Der Querulant hat sich isoliert — aber drinbleiben wollten wir auch nicht …

Im Grunewald, im Grunewald: ’ne Bitburgerin

Auf unserer Wanderung von Spandau zum Grunewald: Nach dem Besuch des Ökowerks und des Teufelssees machen wir eine kleine Pause auf einer Bank (mit Lehne!) mitten im Grunewald.
Zu uns gesellt sich eine ältere Frau mit ihrem fluffigen Chow Chow.
Wir kommen schnell ins Gespräch. Da ich meine Trierer Herkunft auch nach fast 50 Jahren Berlin zumindest (aus)sprachlich nicht verleugnen kann, ergibt sich bald ein Rätselraten aus welcher Ecke Deutschlands wir wohl kommen.
Und siehe da: Sie selbst ist gebürtige Bitburgerin und auch in den 70er Jahren auf der Suche nach Freiheit und Vielfalt in Berlin gelandet.
Und da wir damals noch jung waren und unser Langzeitgedächtnis heute gut funktioniert, werden Erinnerungen aus der jeweiligen ‚wilden Zeit‘ ausgetauscht:
Wir landen lachend in den angesagtesten Clubs (früher Discos genannt) als da (u.v.a.m.) waren: im Ballhaus Spandau (sie wohnte und wohnt im Westend)-das Ballhaus gibts heute noch) im Bunker, im Cafe Moskau, im Metropol,im Tolztefanz, im Dschungel, und ich (Lokalpatriotin in Kreuzberg) natürlich im SO 36. Und welche Berühmtheiten wir getroffen haben? Irgendwann war mal David Bowie im Dschungel- hab ihn aber nicht gesehen, da ich immer viel zuviel damit beschäftigt war die Tanzfläche (heute: dancefloor) zu rocken! So schwelgen wir zwei älteren Damen in unseren Erinnerungen- und nicht nur ich vermisse doch manchmal das Tanzen bei schummriger (und schmeichelnder) Beleuchtung!
Und trotz der wahrlich nicht so prickelnden Veränderungen der Stadt in den letzten Jahrzehnten, sind und bleiben wir Berlin-fans. Wir schätzen weiterhin die Möglichkeiten, die die Stadt bietet- zur Entwicklung und natürlich zur Unterhaltung.
Wir sind Berlinerinnen geworden- Trierer oder Bitburger Dialektreste hin oder her!

Tauben füttern: drauf gesch …

Auf dem Bahnsteig in Koblenz ist es rappelvoll – Zugverspätungen und -Ausfälle machen es möglich. Alle schauen ratlos umher, wo, und ob, und wann es denn mal endlich weitergeht.

Mitten im Gewühl eine junge Frau, die hingebungsvoll – und in meinen Augen provokativ strahlend – eine Schar Tauben aus ihrer Brötchentüte füttert. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass das überhaupt nicht gut ist, erkläre auf Nachfrage warum, (dass man das überhaupt noch erklären muss!) und sie entgegnet zwischen bla und bla und blabla emsig weiter fütternd: „Die Menschen sind aber viel schlimmer!“

Ach, warum geht mir so schnell der Humor verloren?

Dass irgendwer die Taubensch.. weg machen muss, dass es angesichts der umgebenden Menschenmassen geradezu grob fahrlässig ist, die Tiere anzulocken, schluck ich runter, weil ich merke, wie mich soviel Ignoranz gepaart mit Dummheit agressiv macht.

Also nix wie weg- und außerdem rollt unser Zug grad ein. Beim Einsteigen strahlt sie mich frech an: Sie hats der Alten aber mal gezeigt!

Aus dem Zugfenster raus beobachte ich noch, wie ein Taubenpaar über einer dieser metallenen Bahnsteig-Sitzgruppen hin und her stolziert. Ob der darauf sitzende und lesende Mann verschont bleibt?