Kategorie: Begegnungen mit Menschen

Berliner Türme

Türme- was gehört dazu?

Na ganz einfach, was uns interessiert, was etwas (mehr oder weniger) heraus ragt, was das Stadtbild prägt. Wir erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Wir entdecken auf unseren Stadtwanderungen immer wieder Interessantes, und dazu gehört auch der ein oder andere Turm, auch wenn er als Tor oder Säule, Tower oder gar Abhörstation daher kommt- bzw. rum steht.

Entscheidend ist: Was sagt uns das heute?!

Der Estrel Tower

Ich sag mal gleich, wir sind froh, wenn wir den nicht mehr sehen müssen.
Dieser unschöne Klotz-mit mäßig schick abgeschrägtem Dach- ist das höchste Gebäude Berlins (176m) und befindet sich in Neukölln! Ein Hohn auf das Milieu!
Das Ding is noch nicht mal fertig- viiiielleicht Ende des Jahres?

Nett ist die augenfällige „Bespannung“ mit sog. Finnen aus Alu- dient (auch) als Sonnenschutz. Wer sich weiter turmusmäßig interessiert (wieviel Zimmer, Kongresse, Preise, Besitzer…) kann gern googeln. Wir aber sind froh dort nicht ver,- bzw. einkehren zu müssen.

Natürlich sieht man den Turm auch vom Flugfeld aus.

EDGE East Side Tower

Wurde vor einem Jahr fertig gebaut, steht in Friedrichshain an der Warschauer Brücke und ist 142m hoch. Heisst auch Amazontower, da die (3.400 Mitarbeiter) dadrin (auf 28 der 36 Stockwerke) forschen, wie sie uns noch effektiver zum Geld-bei- ihnen-lassen verführen können. Dann entwickeln sie ebendort die nötigen Reize. Oder so ähnlich.

Der Tower ist höher, als das Zoofenster, und höher, als das Upper West.
Seine „markante Fassade“ (Wiki) macht es auch orientierungsschwachen Menschen, wie mir, leicht ihn wieder zu erkennen und an der richtigen Stelle zu verorten.
Irgendwas Gutes muss ja dran sein!

Der Treptower, eigentlich Die Treptowers

Jedenfalls ein schönes Wortspiel: Treptow und tower verbunden.
Denn der ganze Gebäudekomplex steht in Alt- Treptow.
Direkt an der Spree, nahe der Elsenbrücke.

Nach nur 4 Jahren Bauzeit (heute würden sicher 40 draus) war 1998 Eröffnung. Bei 500 Millionen Euro Kosten für det Janze ist das aus heutiger Sicht ja ein Schnäppchen.
(Man braucht sich ja nur mal die Kohle der Superreichen anzuschauen..)

Ehemals Zweigstelle der AEG, dann VEB (Elekrto-Apparate-Werke Berlin-Treptow) dann Allianz, Deutsche Rentenversicherung und BkA-sind bis heute drin.

Wir mögen den Turm- zumal er sich in fußläufiger Nähe zum Treptower Hafen befindet. Bei sonnigem Wetter immer gut für einen Spaziergang.

Der Fernsehturm

am, bzw. auf dem Alexanderplatz ist mit 368m Höhe das höchste Bauwerk Deutschlands. !969 wurde er fertig gebaut.

Kleines Gimmick:
Auf unsrer Wanderung nach Wismar 2022 logierten wir in einer wunderschönen Ferienwohnung in Bützow. Beim abendlichen Schwätzchen im üppigst blühenden Garten mit dem Hausherrn, Herrn Miessner, stellte sich heraus, dass dieser den Turm als Polier mit erbaut hat. Natürlich nötigte ich ihn zu einem gemeinsamen Foto mit mir.

Radarturm auf dem Tempelhofer Feld

Unser „Hausturm“, 1982 fertig gebaut, erhebt sich mit seinen 72 Metern nicht nur über den (tollen) Kinderzirkus Cabuwazi, sondern auch über das gesamte (gräßliche) Nazi-Flughafengebäude.

Sobald wir am Ende der Kienitzer Straße die Treppe zum Feld nehmen, begrüßt er uns mit seiner unverwechselbaren, denkmalgeschützen Architektur.

Besonderes, z. B., warum er auch bei größtem Sturm nicht wackelt, aber auch Geschichtliches dazu in diesem Artikel vom Tagesspiegel:

https://www.tagesspiegel.de/kultur/keine-bewegung-4049512.html

Park Inn by Radisson Hotel Alexanderplatz

ist 150m hoch, und das zweitgrößte Hochhaus Berlins.

„Eröffnet wurde das Hotel Stadt Berlin am 7. Oktober 1970, dem 21. Jahrestag der Gründung der DDR, als Interhotel (https://de.wikipedia.org/wiki/Interhotel) mit 1982 Betten[4] in 1006 Zimmern.“ (Wiki)

Nach der Wende wurde allerdings kräftig saniert und investiert und heute heißen die Zimmer Suiten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Park_Inn_by_Radisson_Berlin_Alexanderplatz

Für 6 Euro Eintritt kann man das allermeiste an Stockwerken mit dem Fahrstuhl bis zur Dachterrasse erledigen.Der Ausblick ist wirklich spektakulär, und wer möchte kann dies sogar noch auf der „höchsten Schaukel Europas“ schaukelnd genießen.
Ich weiß nicht, was das kostet, kann aber mal meinen Sohn fragen.

Wasserturm auf dem Tempelhofer Berg

Mal was Kleineres: Der Wasserturm in Kreuzberg, am Chamissoplatz, ist gerade mal 44 m hoch, dafür aber ganz schön alt: nämlich von1888!

„Für die wachsende Stadtbevölkerung entstehen seit der Reichsgründung immer mehr hohe Mietshäuser mit vielen Geschossen. Über die Hof- und Straßenbrunnen, wie bisher üblich, sind diese Wohnungen nicht mehr mit Frischwasser zu versorgen. Sogenannte Wasserhebestationen – also Wassertürme auf erhöhten Punkten – sammeln Trinkwasser deshalb in Hochbehältern. Die Schwerkraft drückt das Wasser auch in die höchsten Etagenwohnungen.“ (Industriekultur.Berlin)

Gut gemacht! Und dann auch noch architektonisch so ansprechend: „Märkische Backsteingotik“! https://industriekultur.berlin/

Heute befindet sich im Turm das DTK-Wasserturm Jugend-, Kultur- und Kommunikationszentrum https://sportjugend-berlin.de/dtk-wasserturm

Wir hoffen, dass nur die homepage des Kulturzentrums veraltet ist, und dass der geplante Abschluss der Sanierung 2023 tatsächlich stattfand, und die Kinder und Jugendlichen jetzt wieder Einzug halten können.

Die Twin Towers

sind zwei 17-geschossige Zwillingstürme aus dem Jahr 1997 (oder 1998 oder 1994??) am Osthafen/Treptow, also zwei Bürogebäude mit 99 und 110 m Höhe. Sie sind Teil der (verrufenen) Mediaspree und liegen direkt am Wasser zwischen Elsen-und Jannowitzbrücke. Allianz, Universal Music, MTV, Stromnetz Berlin, BASF und Coca Cola sind da wohl drin.

Ich kann den beiden Türmen nicht viel abgewinnen, sie erinnern mich auch wirklich nicht an Segel, obwohl sich die Dächer durch je eine aufgeworfene, himmelweisende Konstruktion auszeichnen. wahrscheinlich bin ich aber befangen: Für mich sind die Türme eine ziemliche Angebergeschichte: https://www.twintowers-berlin.de/

Dagegen liebe ich die Skulptur in unmittelbarer Nähe und mitten in der Spree: Die „Moleküle Men“ von Jonathan Borofsky.

„Die Skulptur soll daran erinnern, dass sowohl der Mensch als auch die Moleküle in einer Welt der Wahrscheinlichkeit existieren und das Ziel aller kreativen und geistigen Traditionen ist, Ganzheit und Einheit innerhalb der Welt zu finden.“ – Jonathan Borofsky-

Das Haus des Lehrers

hat eine lange Geschichte, die bis 1908 zurück reicht.

wikipedia Haus des Lehrers

1964 wurde es als erstes Hochhaus am Alex eingeweiht, nachdem das Vorgängerhaus, das Lehrervereinshaus, im Krieg zerstört worden war.

Das HdL ist 54m hoch und war als Begegnungsstätte für Pädagogen konzipiert. Es beherbergte u.a. die größte pädagogische Bibliothek Europas. Nach umfangreicher Restaurierung ist das HL heute hauptsächlich ein modernes Büro- und Bildungsgebäude mit Firmen, Geschäften, Restaurants und der FRÖBEL Akademie zur Ausbildung pädagogischer Fachkräfte. Besitzer ist seit 2008 (für knapp 8 Millionen Euro) die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM)

„Die Besonderheit des Gebäudes ist ein umlaufender Fries aus 800.000 Mosaiksteinen im Bereich der dritten und vierten Etage, im Volksmund „Bauchbinde“ genannt. Dieser von Walter Womacka in Anlehnung an den Muralismo entworfene Fries mit dem Namen Unser Leben zeigt Darstellungen aus dem gesellschaftlichen Leben in der DDR.“ (Wiki)

Natürlich steht das HdL mittlerweile unter Denkmalschutz.

Berliner Funkturm Messegelände

146,7m hoch und seit der 3.Funkausstellung 1926 in Betrieb.

Der Stahlfachwerkturm (Vorbild: Eiffelturm) Ist öffentlich zugänglich- und lädt auf 50 hm zum Restaurantbesuch ein- WENN die Sanierung abgeschlossen ist, was für Ende 2025 so geplant war.

Da der „Lange Lulatsch“ im ausgesprochen unwirtlichen Messegelände/Westend steht, welches ich tunlichst meide, ist er mir erst bei Konzertbesuchen im „Haus de Rundfunks“ so richtig aufgefallen, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft er sich befindet.Das Haus des Rundfunks ist seit 2003 der Hauptsitz des Rundfunks Berlin-Brandenburg.(rbb)

Lese gerade, dass der Funkturm zu seinem 100jährigen Bestehen 2026 wieder glänzen soll. Was Berliner Baustellen betrifft, da sind wir mal gespannt!

wikipedia Berliner Funkturm

100 Jahre Berliner Funkturm

Das Frankfurter Tor

heute in Friedrichshain befindlich. Das war nicht immer so. !716 aus Holz gebaut, stand „es“ noch ca. 800m weiter westlich,
und war Teil der ersten Akzisemauer Berlins. (An den Toren der Akzisemauer wurden Verbrauchssteuern für eingeführte Waren erhoben.)

Frankfurter Tor 1867

1802 bestand das Tor schon aus Stein, wurde aber abgerissen, und versetzt ersetzt. (Vom ungefähren U Bhf Platz der Weberwiese zum heutigen Platz.) 1957 bekam das Tor seinen heutigen Namen. Ab Tor Richtung Westen wurde/wird die Stalinallee zur Karl-Marx-Allee, der Strassenteil Richtung Frankfurt/Oder nach Osten ist die heutige (ellenlange) Frankfurter Allee.

Zurück zum Tor:
Der berühmte Chef Architekt de DDR Hermann Henselmann (Entwurfsidee u.a. für den Fernsehturm!) gewann 1953 einen Wettbewerb, und es entstand im Stil des
Sozialistischen Klassizismus die Ost-West-Magistrale der Stadt mit dem Frankfurter Tor.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Henselmann

„Es handelt sich um zwei Turmhochhäuser mit einer Kuppel, die in der Form den…Kuppeln am Gendarmenmarkt nachempfunden wurden. Die markanten Türme bilden den Anfang des architektonischen Ensembles der Karl-Marx-Allee, die bis 1961 den Westteil der Stalinallee darstellte. Die Gesamtanlage des Platzes steht heute unter Denkmalschutz.“ (Wiki)

Ps.
Ich mag die beiden Türme sehr, konnte mich auch früher gut an ihnen orientieren, wenn ich meine Patentante im Seniorenzentrum in unmittelbarer Türme-Nähe besuchte.

Berlin und Gillenfeld – Die Welt ist klein…

Buslinie 566 von Daun zum Feriendorf- meine Lieblingsbuslinie- ist ab sofort meine Allerlieblingslinie:

Vor ein paar Tagen kommen Herbert und ich in der Pause der Busfahrer/innen an der Realschule in Gillenfeld mit einer der Fahrerinnen ins Gespräch.

Und was stellt sich raus:
Die Frau kennt sich aus in der Welt😉: Sie hat tatsächlich jahrelang in Berlin gelebt. Auf meine Frage „Wo denn da?“ kommt die Antwort: „Neukölln“.

Das facht natürlich meine Neugier weiter an, und ich bohre nach Genauerem, bzw..“Welche Straße?“ „In der Nähe vom Tempelhofer Feld, Kienitzer Straße“. Ich fass‘ es nicht: MEINE Straße!!!
Freue mich wie Bolle in der tiefsten Eifel eine Wahlheimat-Verbundene zu treffen. Und wir freuen uns beide, dass uns die Kombination von Land und Großstadt weiterhin gelingt: Sie hat noch Kinder in Berlin und pendelt (wie wir) des Öfteren zwischen den beiden Extremen.

Gut, dass sie auch zur Erholung ein Häuschen HIER im Feriendorf hat! Dieser weiteren, überraschenden Enthüllung folgt natürlich eine Einladung unsererseits zum Vorbeischauen- wo auch immer: im Feriendorf oder in Neukölln.

Man sieht sich! 😁

Begegnung mit Tom Stehrumchen

Ganz in der Nähe vom Klein Köriser See wandern wir entspannt auf den sandigen Waldwegen entlang einer Gartenkolonie.

Wir wandern seit Stunden fast ohne Menschenbegegnungen- und das an einem Samstag- welche Wohltat!

Also schweift der Blick ungestört durch den uns umgebenden Wald, (fassst) jedes Blümelein und all die Knospen und Knöspchen begrüßen wir und vom Duft der Maiglöckchen begleitet, die es hier so zahlreich gibt, schlendern wir dahin.

Die links des Wegs säumenden Datschen und Häuschen passen sich hervorragend in die Landschaft ein: nichts Protziges, sondern Individualität und Einmaligkeit der Gestaltung prägen das Bild.

Dann auffallend: Eine Präsentation ungewöhnlicher Holzarbeiten – das Gartentor zur betreffender Laube steht offen – wir werden freundlich herein gebeten.

Wir bewundern die schön gearbeiteten Schalen und Schälchen, die Vasen und überhaupt das gesamte ausgefallene Kunsthandwerk, das Tom uns zeigt.
Da wir nicht soviel tragen wollen, ersteht Herbert (für mich❤️) eine kleinere Obstschale aus Erlenholz – natürlich ‚gerahmt‘ durch die Rinde des Baums.

Das Mitbringsel

Tom, der Künstler, erzählt uns ein wenig von der Machart seiner Werke: alle sind aus dem Holz der umgebenden Bäume gedrechselt, die Arbeit ist fein und sorgfältig ausgeführt und man erkennt die Liebe zum Detail.

Es gibt auch jede Menge „Stehrumchen“: Kleine und kleinste Figürchen hauptsächlich der heimischen Fauna – Tom schenkt mir zum Schluss ein entzückendes kleines Vögelchen, welches schon am Abend seinen Platz in der Küche gefunden hat.

Ein Stehrumchen

Vielleicht hilft der (leider) sehr umtriebige Biber bei der Arbeitsbeschaffung-😉 Tom beschreibt uns noch den Weg (der Verwüstung) entlang des Sees, und ich habe noch nie so dicke Bäume gesehen, die durch den Biber gefällt wurden.

Eine sehr nette Begegnung- mit Tom, nicht mit dem Biber – die uns durch eines seiner „Stehrumchen“ stets in Erinnerung bleiben wird.

Unbedingte Besuchsempfehlung!

Ein Querulant

Herbert begleitet mich bis Köln: Dafür hat er mindestens ein Mittelgebirge in meinem Brett!

Der Zug hat natürlich Verspätung. Hungrig packen wir unsre Brotchen aus. Meine Reisetasche steht auf dem Platz der Vierersitzgruppe mir gegenüber/Gang.

Der Zug wird voller, ein nicht mehr ganz junger Mann – ein Schrank von einem Kerl – kommt den Gang lang auf mich/uns zu und schaut sich nach einem Sitzplatz um. Ich lächle ihn an und frage ihn gestisch, ob ich die Tasche für ihn wegräumen soll, damit er sich dahin setzen kann. Er winkt aber ab und setzt sich schräg gegenüber.

Als ich (Idiotin) ihn nochmal freundlich ankucke bricht es aus ihm heraus: Was ich doch für eine asoziale Person sei, es wäre verboten eine Tasche auf einen Sitz zu stellen, deswegen ginge es so bergab mit diesem Land…usw usw. Völlig perplex erinnere ich ihn daran, dass ich doch im Begriff war die Tasche für ihn zu räumen.

Nichts beruhigt ihn. Herbert mischt sich ein, es wird immer lauter und unangenehmer. Ein älterer Mann kommt zu dem Zeterer und bittet ihn Ruhe zu geben. Hilft auch nix. Er macht weiter, erhebt sich mehrmals drohend von seinem Sitz und ich habe Gedanken von Faustschägen und Messerattacken. Er hört nicht auf. Aggressiv beschimpft er uns weiter- irgendwann rutscht mir leider raus, er solle sich in die Psychiatrie verziehen.

Auch nicht fein, ich weiß.

Langsam haben die umsitzenden Mitreisenden genug von seinem Gebaren, und äußern das auch durch verstärkte Unruhe oder halblaut geäußerten Missmut. Schließlich geht er ein paar Plätze weiter – die Nächsten mit seiner kruden Sicht der Dinge beharken.
Aber oh Wunder, wir bekommen offene Solidaritätsbezeugungen: Ein junges,schwarzes Paar hält ebensowenig von dem Kerl, wie wir, und sagt uns das auch. Mehrmals. „Er hat zuviele Emotionen.“ meint sie noch traurig zu mir beim Rausgehen.

Hört, hört: sympathy for the devil!

Ich bin nicht so mitfühlend. Die Vorstellung auf einen körperlichen Angriff reagieren zu müssen ruft bei mir nur Feindbild hervor. Pardon. Aber auch andere Reisende, die diesen Streit mitanhören mussten, trösten uns mit aufmunternden Worten nach dem Motto:
„dem ist nicht mehr zu helfen.“ Wir fühlen, dass wir nicht allein sind in unsrer Wahrnehmung, in unsrer Haltung. Und alle machen einen Bogen um den Kerl.

Der Querulant hat sich isoliert — aber drinbleiben wollten wir auch nicht …

Im Grunewald, im Grunewald: ’ne Bitburgerin

Auf unserer Wanderung von Spandau zum Grunewald: Nach dem Besuch des Ökowerks und des Teufelssees machen wir eine kleine Pause auf einer Bank (mit Lehne!) mitten im Grunewald.
Zu uns gesellt sich eine ältere Frau mit ihrem fluffigen Chow Chow.
Wir kommen schnell ins Gespräch. Da ich meine Trierer Herkunft auch nach fast 50 Jahren Berlin zumindest (aus)sprachlich nicht verleugnen kann, ergibt sich bald ein Rätselraten aus welcher Ecke Deutschlands wir wohl kommen.
Und siehe da: Sie selbst ist gebürtige Bitburgerin und auch in den 70er Jahren auf der Suche nach Freiheit und Vielfalt in Berlin gelandet.
Und da wir damals noch jung waren und unser Langzeitgedächtnis heute gut funktioniert, werden Erinnerungen aus der jeweiligen ‚wilden Zeit‘ ausgetauscht:
Wir landen lachend in den angesagtesten Clubs (früher Discos genannt) als da (u.v.a.m.) waren: im Ballhaus Spandau (sie wohnte und wohnt im Westend)-das Ballhaus gibts heute noch) im Bunker, im Cafe Moskau, im Metropol,im Tolztefanz, im Dschungel, und ich (Lokalpatriotin in Kreuzberg) natürlich im SO 36. Und welche Berühmtheiten wir getroffen haben? Irgendwann war mal David Bowie im Dschungel- hab ihn aber nicht gesehen, da ich immer viel zuviel damit beschäftigt war die Tanzfläche (heute: dancefloor) zu rocken! So schwelgen wir zwei älteren Damen in unseren Erinnerungen- und nicht nur ich vermisse doch manchmal das Tanzen bei schummriger (und schmeichelnder) Beleuchtung!
Und trotz der wahrlich nicht so prickelnden Veränderungen der Stadt in den letzten Jahrzehnten, sind und bleiben wir Berlin-fans. Wir schätzen weiterhin die Möglichkeiten, die die Stadt bietet- zur Entwicklung und natürlich zur Unterhaltung.
Wir sind Berlinerinnen geworden- Trierer oder Bitburger Dialektreste hin oder her!

Tauben füttern: drauf gesch …

Auf dem Bahnsteig in Koblenz ist es rappelvoll – Zugverspätungen und -Ausfälle machen es möglich. Alle schauen ratlos umher, wo, und ob, und wann es denn mal endlich weitergeht.

Mitten im Gewühl eine junge Frau, die hingebungsvoll – und in meinen Augen provokativ strahlend – eine Schar Tauben aus ihrer Brötchentüte füttert. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass das überhaupt nicht gut ist, erkläre auf Nachfrage warum, (dass man das überhaupt noch erklären muss!) und sie entgegnet zwischen bla und bla und blabla emsig weiter fütternd: „Die Menschen sind aber viel schlimmer!“

Ach, warum geht mir so schnell der Humor verloren?

Dass irgendwer die Taubensch.. weg machen muss, dass es angesichts der umgebenden Menschenmassen geradezu grob fahrlässig ist, die Tiere anzulocken, schluck ich runter, weil ich merke, wie mich soviel Ignoranz gepaart mit Dummheit agressiv macht.

Also nix wie weg- und außerdem rollt unser Zug grad ein. Beim Einsteigen strahlt sie mich frech an: Sie hats der Alten aber mal gezeigt!

Aus dem Zugfenster raus beobachte ich noch, wie ein Taubenpaar über einer dieser metallenen Bahnsteig-Sitzgruppen hin und her stolziert. Ob der darauf sitzende und lesende Mann verschont bleibt?